der französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) sagte der Musik nach, sie drücke das aus „[...] was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“
Diese Aussage beschreibt meines Erachtens gerade die Wesens-
züge der Kirchenmusik vortrefflich. Sie ist in zweierlei Hinsicht ein Medium des Glaubens. Einerseits beginnt sie dort zu wirken, wo Worte die abgelegensten Winkel der Seele nicht mehr erreichen. Andererseits verleiht sie jenen Glaubensinhalten Ausdruck, die uns als Christinnen und Christen ausmachen und über die wir deshalb nicht schweigen können: Die frohe Botschaft des Evangeliums. Dabei liegen Klage und Lob, Bitte und Dank nahe beieinander. Musik ist Ausdruck unserer Lebensrealität und das – um im musikalischen Bilde zu bleiben – mit allen Tiefen und allen Höhen. In der Osternacht dürfen wir uns dieser Tatsache wieder bewusst werden. Aus dem Schweigen der Orgel, der Schellen, der Glocken und den schlichten Klagegesängen erwächst aus der Dunkelheit wieder ein strahlendes Gloria und erinnert uns klanglich an den Sieg des Lebens über den Tod. Darüber kann nicht geschwiegen werden – auch nicht musikalisch.
Mit diesen Zeilen möchte ich mich Ihnen in meiner Funktion als neuer Kirchenmusiker an St. Jodocus in Ottenau vorstellen und Sie herzlich grüßen. Ich freue mich sehr mit Ihnen zum ersten Mal unser höchstes Fest zu begehen. So wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest, welches in uns die Gewissheit weckt, die wir in dem alten Lied besingen: „Christ ist erstanden von der Marter alle. Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein.“
Robert S. Bauer Kirchenmusiker an St. Jodocus Ottenau