Liebe Gemeindemitglieder,
erneut begehen wir bald unser größtes Glaubensfest: An Ostern feiern wir mit der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus den Sieg des Lebens über den Tod. Grundsätzlich heißt das aber auch, dass alles Dunkel in dieser Welt nicht das letzte Wort hat, da doch jedes noch so kleine Licht stärker ist als alle Dunkelheit. Dieser wunderbaren Botschaft sollten wir nicht allein mit unserem Verstand und unserer Vernunft begegnen. Ihre große Tragweite kann sie nur dann entfalten, wenn wir uns auch mit freudigem Herzen auf sie einlassen. Musik kann einen Weg zum Herzen bahnen und so der österlichen Botschaft Ausdruck verleihen.
Aus diesem Grund wird auch die Musik in den Gottesdiensten des Triduum Sacrum (Leiden und Sterben, Grabesruhe und Auferstehung) vom Leiden und Sterben erzählen, aber sich nicht darin erschöpfen. Vielmehr wird sie sich in ihren Ausdrucksweisen hin zur österlichen Freude der Auferstehung steigern und entwickeln. Den Höhepunkt dieser musikalischen Freude wird am Ostermontag durch Joseph Haydns (1732-1809) „Kleine Orgelsolomesse“ dargestellt werden. In dieser Messe bricht sich stellenweise eine geradezu sprudelnde Freude Bahn – ganz so als würde man vor Begeisterung über Erlebtes völlig ungeduldig alle Gedanken gleichzeitig aussprechen wollen. Der Komponist treibt so, beispielsweise im Gloria und im Credo, auch das Prinzip der "Missa brevis“ auf die Spitze: Der gesamte Text wird gleichzeitig auf die vier Stimmen verteilt und gelangt in geballter Form ans Ohr des Hörers. Gerade der lange liturgische Gloria-Text wird auf diese Weise in 19 Takten abgehandelt – eben ungeduldig sprudelnd vor Freude.
Liebe Gemeindemitglieder, in meiner Eigenschaft als Kirchenmusiker an St. Jodok ist dieses Osterfest für mich jedoch auch mit einem Abschied verbunden. Aus persönlichen Gründen muss ich mein Amt als Chorleiter und Organist leider niederlegen. Die Arbeit in dieser Gemeinde hat mir viel Freude bereitet und war durch viele bereichernde Momente, sowohl menschlich als auch musikalisch, geprägt. Ich freue mich daher umso mehr mit Ihnen allen dieses Osterfest zu begehen. Es würde mich sehr glücklich schätzen, wenn Sie durch Ihr Mitfeiern und Mitsingen in den Gottesdiensten in den österlichen Lobpreis von Kirchenchor, Vokal- und Instrumentalsolisten und feierlichen Orgelklängen, miteinstimmen würden.
So bedanke ich mich erneut bei Ihnen für die vergangene Zeit, in der ich in St. Jodok wirken durfte. Ein herzlicher Dank gilt besonders den Sängerinnen und Sängern des Kirchenchores von St. Jodok für Ihren unermüdlichen und wunderbaren Dienst an der Musica Sacra, für den ich auch weiterhin Gottes reichsten Segen und alles Gute wünsche.
Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest voller Zuversicht und Freude.
Robert Sebastian Bauer
Kirchenmusiker an St. Jodok
Ottenau



